Schädliches Prestigeobjekt Herzstück

Mit dem «Herzstück Regio-S-Bahn» wird eine neue Verbindung zwischen den Bahnhöfen SBB, Badischer Bahnhof und allenfalls später St. Johann bezeichnet. Der Tunnel käme 45 Meter unter dem Boden zu liegen. Die vorgesehenen Haltestellen sind Marktplatz/Barfüsserplatz und Claraplatz/Messeplatz. Mit dem Herzstück wird somit das Zentrum Basels angefahren, welches ohnehin schon sehr gut mit dem ÖV erschlossen ist.

herzstueckDie Gefahr besteht, dass man aufgrund der übermässigen ÖV-Erschliessung der Innerstadt beginnt, Tram- und Buslinien aus dem Zentrum abzuziehen, mit der Folge, dass die Basler Aussenquartiere schlechter mit die Innerstadt verbunden werden. Dazu passt, dass das Herzstück jene Quartiere, die heute eher schlecht an die Innerstadt und den Bahnhof angebunden sind, links liegen lässt. Das Herzstück ermöglicht, dass die S-Bahnzüge zwischen Deutschland und dem Baselbiet in den Bahnhöfen nicht mehr wenden müssen und damit Fahrzeit gewonnen wird. Diese Fahrzeitgewinne sind innerhalb von Basel-Stadt jedoch bescheiden: Keine bis 5 Minuten. Bloss auf wenigen Verbindungen zwischen Basel und dem Baselbiet gibt es rund 10-15 Minuten Beschleunigung.

Sind diese (unbedeutenden) Fahrzeitgewinne wirklich so wichtig, um dafür mehrere Milliarden und viel Arbeitszeit zu investieren, welche bei anderen Projekten dringender nötig sind?

Die Beschleunigung an sich bringt wenig und ist sogar eher kontraproduktiv, da mit der gleichen Zeit mehr Distanz zurück gelegt wird und somit mit der gleichen Pendelzeit weiter entfernt vom Arbeitsplatz gewohnt werden kann. Dies fördert die Zersiedlung der Landschaft wesentlich. Die Befürwortenden des Herzstücks versprechen sich von der Beschleunigung der S-Bahn eine schnellere Erreichbarkeit des Stadtzentrums mit dem ÖV als mit dem Auto und damit einen Wechsel der Verkehrsteilnehmenden vom Auto auf die S-Bahn. Dies liesse sich jedoch viel einfacher und auch günstiger erreichen, wenn der Autoverkehr verlangsamt würde, beispielsweise durch längere Rotphasen an den Ampeln. Genau diese Massnahmen verzögert die Regierung jedoch trotz der deutlichen Annahme des Gegenvorschlags zur Städteinitiative, weil sie die Konfrontation mit der Autolobby scheut.

Löst das Herzstück wenigstens das Kapazitätsproblem der Bahnlinien zwischen Frankreich, Deutschland und der Schweiz?

Der Tunnel kann aufgrund der grossen Höhenunterschiede nicht durch den Fern- und Güterverkehr befahren werden. Die Kapazitäten werden daher nur geringfügig verbessert (Wegfall der S-Bahn bei den Eisenbahnbrücken und der Elsässerbahn). Der Vergleich mit der Durchmesserlinie Zürich zeigt, dass dort für die gleiche Bausumme viel mehr erreicht wurde. Weil die Durchmesserlinie auch durch den Fernverkehr befahren wird, stiegen die Kapazitäten und auch die Fahrplanstabilität deutlich.

Das Herzstück schadet direkt zwar nicht, es nützt aber kaum etwas und verschlingt mindestens 2 Milliarden, welche dann anderswo fehlen. Sei es bei wichtigeren ÖV-Projekten (z.B. Tramnetz) oder in anderen Politikbereichen. Indirekt führt das unnütze Prestigeobjekt damit zu ernsthaften Problemen.

Ich bin daher klar für die Ablehnung des Kredits für die weitere Planung an diesem Projekt, welcher demnächst im Grossen Rat behandelt wird. Insgesamt würde nur schon die Ausarbeitung des Vorprojekts 30 Millionen Franken kosten, wovon Basel-Stadt Zweidrittel bezahlen müsste.

Artikel veröffentlicht im BastA!-Bulletin 3/2014

Ein Gedanke zu „Schädliches Prestigeobjekt Herzstück“

  1. In dieser Frage sehe ich ein Pro und ein Kontra
    Pro: man könnte das Tram unterirdisch legen und somit mehr Platz für die Fussganger erreichen und es würde die Gefahr das dann vom Tram käme verhindern.
    Kontra: Dass die Markfahrer davon nicht profitieren können weil man die Station an falschem Ort wäre und somit und auch die Kosten und Nutzen stimmen da für auch nicht

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