Nicht ohne Einbezug der Quartier- und Stadtbevölkerung!

Ohne Einbezug der Quartier- und Stadtbevölkerung und Gegenleistung an die Bevölkerung dürfen die weiteren Roche-Hochhäuser nicht bewilligt werden.

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Bild CC by Patrik Tschudin

Der Regierungsrat hat den Bebauungsplan Roche Nord zuhanden des Grossen Rates am 24.11.2015 verabschiedet. Nach dem Bebauungsplan „Südareal“ mit dem 178 m hohen Bau 1 steht damit nun die nächste Etappe des Umbaus des Roche-Areals an. Nach dem Baubeginn für den Bau 1 gab es vehemente Kritik am schweizweit höchsten Gebäude und vor allem am kritiklosen Durchwinken des Bebauungsplans. So bezeichnete der ehemalige Kantonsbaumeister Carl Fingerhuth den Roche-Turm als die „gewalttätigste und respektloseste Architektur, die bis jetzt in der Schweiz gebaut wurde“ (Tageswoche, 17.9.2015). Er befürchtete, dass es ein Präjudiz für die Baukultur in der Schweiz ist. Und er scheint zumindest für Basel Recht zu haben. Obwohl die nachträgliche Kritik am Bau 1 massiv war, gibt es zum Bebauungsplan 2 zum Nordareal wenige kritische Äusserungen. Der Regierungsrat winkte den Bebauungsplan durch.

Die Auswirkungen des ersten Turm auf das Stadtbild sind unübersehbar. Er dominiert das Stadtbild aufgrund seiner überdimensionalen Grösse. Es gibt wenige Orte in Basel, von wo er nicht sichtbar ist. Die Bewilligung eines zweiten noch höheren Turms und mehrerer weiterer Bürohochhäusern muss deshalb gut überlegt sein. Es ist fragwürdig, dass der Regierungsrat den Bebauungsplan ohne nachvollziehbare Variantenprüfung beschlossen hat – und ohne Einbezug der Quartierbevölkerung. Das obwohl die Basler Verfassung vorgibt, dass der Staat die Quartierbevölkerung in seine Meinungs- und Willensbildung einbezieht, sofern ihre Belange besonders betroffen sind.

Wir wünschen uns von der Bau- und Raumplanungskommission, dass sie diese Fehler korrigiert und eine echte Variantenüberprüfung unter Einbezug der Quartierbevölkerung durchführt bzw. den Regierungsrat beauftragt diese Überprüfung und Mitwirkung nachzuholen. Es muss überprüft werden, ob es Möglichkeiten gibt, dem Wunsch der Roche nach baulicher Entwicklung zu entsprechen, ohne die Lebensqualität der umliegenden Quartiere derart stark zu beeinträchtigen. Und falls es diese nicht gibt – was ich nicht glaube – muss man die Ausbauinteressen der Roche und die Interessen der Quartier- und Stadtbevölkerung offen und transparent gegeneinander abwägen.

Die Bedeutung der Pharmaindustrie für Steuereinnahmen und Arbeitsplätze sind allen bewusst. Aber dies darf nicht dazu führen, dass demokratische Prozesse wirkungslos werden. Wir wollen eine öffentliche Diskussion über den Ausbau des Roche-Areals zu einem Hochhaus-Campus und die Auswirkungen auf die Stadt und die Region anregen, welche nicht vor den Türen der Politik endet.

Tonja Zürcher