Liebe Feministinnen und Feministen

Redebeitrag 1. Mai 2016, Basel

Liebe Freundinnen und Freunde,
liebe Feministinnen und Feministen

Wir feiern dieses Jahr 50 Jahre Frauenstimmrecht in Basel. Es ist irgendwie komisch, zu feiern, dass sich die Männer in Basel vor 50 Jahren endlich überwinden konnten, den Frauen das gleiche Recht zu Wählen und Abzustimmen zu geben. Viel lieber will ich feiern, dass der Jahrhunderte lange, engagierte und gefährliche Kampf der Feministinnen und Feministen zu einem Erfolg geführt hat!

Der Kampf ist damit aber noch lange nicht zu Ende. Viele Forderungen sind noch immer nicht erfüllt und von alleine wird es nicht vorwärts gehen.
Diese Woche entschied die rechte Mehrheit im Parlement, dass die Lohngleichheit nicht kontrolliert werden soll. Firmen sollen nicht einmal zu einer Analyse der Lohnungleichkeit verpflichtet werden. 20 Jahre nach Einführung des Gleichstellungsgesetzes ist es noch immer ein zahnloser Papiertiger! Dank den rechten Parteien haben wir also ein Gesetz ohne Kontrolle und Wirkung.

Gleichzeitig schreien die gleichen Parteien danach, Schweizer «Werte» und «Traditionen» ohne Rücksicht durchzusetzen. Und die Medien schreien mit. Nicht nur die Blocherzeitung! Schuld an der fehlenden Gleichstellung sei der Fremde. Es seien nicht die mächtigen alten Männer in Politik und Wirtschaft, die dafür sorgen, dass die Gleichstellung stockt. Nein, es seien die Fremden, die Geflüchteten. Für wie blöd halten die uns eigentlich?
Mit dem Ruf nach Schweizer «Werten» und «Traditionen» legen die Rechten die Basis, um den Rechtsstaat auszuhebeln. Es sind nicht mehr die Gesetze, die Festschreiben, woran man sich halten muss. Es sind willkürlich ausgewählte «Werte».

Wenn ich mir überlege, welche Werte diejenigen leben, die am lautesten nach einer Durchsetzung der sogenannten «Schweizer Werte» schreien, wird es mir Übel!
Es sind die gleichen, die der Meinung sind, Vergewaltigung in der Ehe sei Privatsache. Und es sind die gleichen, die es richtig finden wenn Frauen weniger Lohn erhalten als Männer. Frauen brauchen das Geld  ja sowieso nicht, ihr Mann gibt ihnen ja Taschengeld.

Wollen wir zulassen, dass diese «Werte» und «Traditionen» durchgesetzt werden, weil ab jetzt sogenannte «Schweizer Werte» die Gesetze ersetzen? Wollen wir wirklich, dass die Rechten bestimmen wie wir uns begrüssen sollen, welche Kleider wir anziehen dürfen und mit wem wir zusammen leben können?
Liebe Feministinnen und Feministen, wir lassen es nicht zu, dass die Rechten die Zeit zurück drehen und die Erfolge unserer Vorgängerinnen und Vorgänger zunichte machen!

Wir feiern 50 Jahre Frauenstimmrecht und kämpfen weiter, bis Frauen und Männer endlich nicht nur auf dem Papier die gleichen Rechte haben! Es wird nicht einfach und ganz sicher nicht bequem, aber wir werden es schaffen!

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