Frau*Macht*Politik

Bajour fragte 7 Frauen* nach ihren Forderungen an die Politik. Hier die Forderungen und meine Antworten dazu:

«Ich wünsche mir, dass die Gesellschaft Mädchen und Frauen zuhört und gleich ernst nimmt, wenn sie sich politisch äussern. Und dass Frauen mehr zusammenhalten und sich gegenseitig unterstützen.»

Pauline Lutz, Gymnasiastin und Klimaaktivistin

Meine Antwort:
Es macht mich wütend, dass es in der Politik wie auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen oft noch immer so ist, dass Frauen mehr leisten müssen als Männer, um als gleich kompetent wahrgenommen zu werden. Deshalb ist der Frauen*streik auch so wichtig! Zum Einen, weil die Erfahrung, wie sich Frauen und queere Menschen gegenseitig unterstützen und zusammen etwas grossartiges auf die Beine stellen, unglaublich viel Kraft gibt. Und zum Anderen, weil wir damit allen zeigen, wozu wir in der Lage sind, wenn wir nicht endlich ernst genommen und unsere Forderungen umgesetzt werden. Ich engagiere mich deshalb dafür, dass die Forderungen des Frauen*streiks ins Parlament getragen werden und werde auch mitarbeiten, damit der Frauen*streik 2020 weiter geht – in welcher Form such immer.

«Ich wünsche mir flexiblere Kitas in Basel und der Region. Und längeren Mutterschaftsurlaub.»

Julia Touray, Hebamme und alleinerziehende Mutter

Meine Antwort:
Flexiblere Kitas, die früher am Morgen beginnen, länger offen haben und auch flexibel auf wechselnde Arbeitszeiten der Eltern reagieren können, sind wichtig. Sie müssen aber auch für alle Menschen bezahlbar sein, ohne dass der Lohn eines Elternteils für die Kinderbetreung drauf geht. Es braucht aber auch besseren Löhne und Arbeitsbedingungen die Betreuerinnen in Kitas. Dafür braucht es eine stärkere finanzielle Unterstützung durch den Kanton und einen Mindestlohn.

«Ich wünsche mir mehr Mamis als Unternehmerinnen und mehr Papis, die hinter ihnen stehen.»

Nicole Ott, Geschäftsleitung Reinhard Ott AG

Meine Antwort:
Menschen sollen bei den Berufschancen und der Berufswahl nicht von ihrem Geschlecht eingeschränkt werden. Dafür braucht es auch eine Neuverteilung der unbezahlten Arbeit, die heute noch zum grössten Teil bei den Frauen liegt. Ich setze mich dafür ein, dass die Politik die Rahmenbedingungen für neue Familienmodelle verbessert, beispielsweise durch eine Elternzeit, die auch den Vater in die Verantwortung nimmt, eine Verkürzung der Erwerbsarbeitszeit, damit auch neben einem vollem Pensum Zeit für Familie und Hausarbeit bleibt, und ein umfangreiches, bezahlbares Tagesbetreuungsangebot.

«Ich wünsche mir eine Gesellschaft, die offen ist für Neues. Von der Politik erwarte ich, dass sie sich der Angstpolitik gegen Minderheiten entschlossen entgegenstellt.»

Jennifer Perez alias La Nefera, Rapperin

Meine Antwort:
Parteien und Medien, die Angst vor Minderheiten schüren, um Minderheiten als Menschen zweiter Klasse abzuwerten, muss entschieden entgegen getreten werden. Es braucht eine Ausweitung des Diskriminierungsschutzes. Wer gegen andere Menschen hetzt, darf keine Plattform bekommen. Und es braucht ein klares Bekenntnis von Politik und Bevölkerung, dass Hetze, Diskriminierung und Herabsetzung nicht tolerierbar sind. Dafür setzte ich mich nicht nur im Parlament, sondern auch auf der Strasse ein, beispielsweise bei der Demo «Basel bleibt Nazifrei».

«Ich wünsche mir, dass Menschen bei der Geburt nicht auf ein Geschlecht festgeschrieben werden.»

Katha Baur, queere*r Aktivist*in

Meine Antwort:
Katha spricht mir aus dem Herzen. Die Fixierung von Gesellschaft und Politik auf eine nicht der Realität entsprechenden Zweigeschlechtlichkeit führt zu einer Ignoranz und Diskriminierung gegenüber Menschen, die einem anderen Geschlecht zugehören als dem sie bei Geburt zugeordnet wurden, und Menschen, die keinem bestimmten Geschlecht angehören. Ich fordere deshalb die Einführung eines dritten Geschlechts und ein Verbot von nicht aus gesundheitlichen Gründen notwendigen medizinischen Geschlechtsanpassungen bei intersexuellen Kindern.

«Ich wünsche mir einen festen Lohn für alle Bäuerinnen.»

Nadia Graber, Bäuerin

Meine Antwort:
Ich unterstütze diese Forderung. Es ist wichtig, dass auch Bäuerinnen, die auf dem Hof eines Familienangehörigen arbeiten, einen Lohn und entsprechende Rentenleistungen und soziale Absicherungen bekommen. Es darf nicht sein, dass Frauen in ein Abhängigkeitsverhältnis gegenüber ihrem Mann oder andere Familienangehörigen gedrängt werden, weil ihnen ein eigener Lohn vorenthalten wird. Die Politik kann und muss dafür sorgen, beispielsweise indem die Zahlung von Löhnen und Sozialleistungen als Bedingung für die Auszahlung von Direktzahlungen beschlossen wird.

«Ich wünsche mir einen Lohn von mindestens 4000 Franken für alle Tieflohnarbeitenden mit Lehrabschluss.»

Ramona Schneitter, Coiffeuse

Meine Antwort:
Auch ohne Lehrabschluss sollte der Lohn aus meiner Sicht mindestens 4000 Franken betragen. Mit einem Lehrabschluss entsprechend mehr. BastA! hat deshalb zusammen mit anderen linken Parteien und Gewerkschaften die Basler Mindestlohninitiative eingereicht, die einen Lohn von mindestens 23.- pro Stunde verlangt.

Quelle: bajour.ch