Staatlich subventionierter Raubbau an Mensch und Natur

Rede am March against Monsanto & Syngenta, Basel, Samstag 18. Mai 2019

Liebe Freundinnen und Freunde

Morgen stimmen wir über die sogenannte STAF ab. Also über die Neuauflage der abgelehnten Unternehmenssteuerreform 3. Was hat das mit der heutigen Demo zu tun?

Foto von František Matouš

Wir stimmen morgen mit der STAF auch über Patentboxen ab. Patentboxen dienen nur einem einzigen Ziel: Gewinne, die mit Patenten gemacht werden, möglichst gering zu versteuern.

Also beispielsweise Patente auf Saatgut, mit denen verhindert wird, dass Bäuerinnen selbst Saatgut nachzüchten können. Patente, mit denen die Monopolisierung und Industrialisierung der Landwirtschaft vorangetrieben und Kleinbäuerinnen und -bauern weltweit von den Agro-Konzernen abhängig gemacht werden. Patente, mit denen viele Kleinbäuerinnen und -bauern in den Ruin und teilweise sogar in den Selbstmord getrieben werden.

Neben dem Saatgut profitiert Syngenta auch bei Pestiziden von Sondervergünstigungen bei den Steuern. Und selbst für Gentech-Produkte können sie noch Steuergeschenke abholen. Mit den Patentboxen wird also all das staatlich gefördert, gegen das wir heute demonstrieren!

Patentboxen haben aber noch eine weitere perfide Wirkung: Sie dienen der Verschiebung von Gewinnen von Tochterfirmen aus den Ländern des Südens zum Schweizer Sitz. Indem den Tochterfirmen für die Nutzung der Patente überrissene Kosten angerechnet werden, fällt der Gewinn buchhalterisch nicht im globalen Süden, sondern bei uns an und wird hier billigstversteuert. Mit den Patentboxen werden den Ländern des Südens also auch noch massiv Steuergelder entzogen. Ihnen fehlt dadurch das Geld für Bildung, Infrastruktur und soziale Sicherheit. Nicht zuletzt wird diesen Ländern auch das Geld entzogen, das sie dringend für die Gesundheitsversorgung und die finanzielle Unterstützung von Pestizidopfern brauchen.

Patentboxen sind nichts anderes, als staatlich subventionierter Raubbau an Mensch, Natur und dem globalen Süden!

Insgesamt ist die Steuerpolitik der reichen Länder für 200 Milliarden Einnahmeverlusten verantwortlich. Die Schweiz allein entzieht dem globalen Süden 30 – 40 Milliarden, das ist 10x so viel wie an Entwicklungsgeldern zurückfliesst. Die Schweiz und Konzerne wie Syngenta profitieren massiv auf Kosten armer Länder und ihrer Bevölkerung.

Die STAF-Unternehmenssteuervorlage ist ein weiterer direkter Angriff auf die globale Solidarität und die Lebensgrundlagen von uns allen!

Darauf gibt es nur eine Antwort:
Nein zu STAF! Für die internationalen Solidarität!

Nachtflugsperre: Gegen Fluglärm und Klimakrise

Votum zu meiner Motion für eine Verlängerung der Nachtflugsperre am EuroAirport

Fluglärm schadet der Gesundheit. Das scheint einer Mehrheit in diesem Parlament aber egal zu sein. Ich werde deshalb den Fokus auf das Klima legen und hoffe, dass wenigstens einigen von euch das Klima nicht ganz so egal ist, wie die Gesundheit der Menschen in den Flugschneisen.

Viele in diesem Saal scheinen sich noch immer nicht wirklich bewusst zu sein, was passiert, wenn wir die Klimakrise nicht stoppen. Und damit meine ich nicht nur die SVP, für die der Klimawandel entweder gar nicht existiert, oder nichts mit dem Flughafen zu tun hat. Andere warten auf eine Spezialkommission und wollen bis dann gar nicht über konkrete Massnahmen reden. Oder sie wollen zwar das Klima schützen, aber nur wenn es uns oder die Wirtschaft kein bisschen einschränkt.

Liebe Kolleginnen und Kollegen: So schaffen wir es nie und nimmer, die Klimakrise zu stoppen!

Foto: Flickr Aero Icarus

Wenn wir es nicht schaffen, die Klimaerhitzung deutlich unter 2 Grad zu halten, wird die Häufigkeit von schweren Hochwassern und Flutwellen, von Extremwettern, Waldbränden und der Dürren massiv zunehmen. Bei einer ungebremsten Klimaerhitzung werden weitere Millionen von Menschen vor Dürren, Überschwemmungen und Meeresanstieg fliehen müssen.

Es ist also kein Nice-to-have, etwas gegen die Klimakrise zu unternehmen.

Der Schweizer Flugverkehr macht rund einen Fünftel (18-20%) der gesamten Treibhausemmissionen aus (knapp 5 Mio. t CO2eq/a). Wenn es uns nicht gelingt, denn aktuellen Wachstumstrend zu stoppen, wird er bis 2030 zum klimaschädlichsten Sektor der Schweiz überhaupt. Bis 2030 wird ein Wachstum um über 20 Millionen Passagierinnen erwartet, also eine weitere Zunahme um über einen Drittel. Bei den Frachtfliegern ist die Entwicklung vergleichbar. Auch hier zeigen die Zahlen steil nach oben (+12% in 2 Jahren). Gründe dafür sind insbesondere das ermorme Wachstum des internationalen Onlinehandelt und der Ersatz von Lagern durch just-in-Time in der Industrie.

Da der Effizienzgewinn bei den Flugzeugen nicht annähernd mit dem Wachstum der Flugbewegungen mithalten kann, steigen logischerweise die Treibhaus-Emissionen. Hinzu kommt noch die Treibhauswirkung der (Stickoxide und des Wasserdampfes).

Wenn wir im Flugbereich nichts unternehmen, torpediert das massive Wachstum beim Flugverkehr alle unseren anderen Bestrebungen, die Klimakrise zu verhindern. Wir haben vorher beschlossen, dass wir das Pariser Klimaabkommen einhalten wollen. Das geht nicht, ohne dass wir nicht auch den Flugverkehr angehen.

Was können wir tun?

«Zuallererst müssten die massiven Überkapazitäten im Flugverkehr abgebaut werden. Das Überangebot hat dazu geführt, dass die Airlines gewissermassen im Ramschverkauf am Wühltisch auf Teufel komm raus zusätzliche Nachfrage generieren, um wenigstens noch einen minimen Deckungsbeitrag aus den Sitzen zu holen.» Diese klaren Worte stammen nicht von mir, sondern aus einem Artikel der nicht unbedingt als grün verschrienen NZZ vom März.

Die in meiner Motion geforderte Verlängerung der Nachtflugsperre entspricht genau dieser Reduktion der Überkapazitäten. Dabei ist es ein sehr pragmatischer Vorschlag. Eigentlich müssten die Betriebszeiten noch viel stärker eingeschränkt werden, um die Klimakrise zu stoppen. Aber wenigstens diesen kleinen Schritt sollten wir nun endlich machen!

Wir passen damit die Regelung dem Flughafen Zürich an. In Zürich gilt eine Nachtflugsperre von 23.00 Uhr bis 06.00 Uhr. Verspätete Landungen sind bis maximal 23.30 mit einer generellen Ausnahmebewilligung möglich. Weitere Ausnahmen brauchen eine Einzelfallbewilligung.

Zur sogenannten Expressfracht. Der grösste Player am EuroAirport ist DHL, von dem bekannt ist, dass der Grossteil der Fracht ist gar nicht für die Region bestimmt und wird nur hier umgeschlagen, weil wir so lasche Nachtflugvorschriften haben.

Wer sonst keine Argumente hat, schwingt nun die Keule «Arbeitsplätze». Der Verlust von Arbeitsplätzen darf aber nicht alles andere überstimmen. Auch bei der Erdölindustrie werden Stellen verloren gehen, wenn wir die Klimakrise verhindern wollen. Aber das kann doch kein Argument sein, um im Gegenzug ungebremst in die Klimakatastrophe zu schlittern. Die Klimakrise wird viel mehr Arbeitsplätze kosten, den Wintertourismus können wir z.B. definitiv vergessen. Wahrscheinlich wird das dann aber eines der kleinsten Probleme der Schweiz sein.

Die Motion verlangt nichts unmögliches, sondern bloss ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Ich bitte euch, sie zu unterstützen.

Die Motion wurde leider deutlich abgelehnt. Den Rechten und Bürgerlichen ist das Klima ohnehin nicht wichtig genug, aber auch etwa die Hälfte der SP Fraktion konnten sich nicht durchringen, sie zu unterstützen.

Zum Gedenken an den Völkermord in Dersim

Rede an der Kundgebung zum Gedenktag für den Dersim-Völkermord

Liebe Freundinnen und Freunde

Wir gedenken heute den Opfern des Völkermords in Dersim und ihren Angehörigen. 1937/38 wurden ganze Dörfer wurden zerstört. Die kurdischen Sprachen und die alevitische Kultur wurden verboten und versucht auszulöschen. Über 70’000 Alevitinnen und Aleviten wurden grausam ermordet. Zehntausende deportiert und vertrieben.

Unser Gedenken an Dersim ist auch eine Aufforderung: So etwas darf sich nie mehr wiederholen!

Die heutige Gedenkkundgebung ist deshalb auch eine Kundgebung gegen Rassismus und die Diskriminierung von Minderheiten. Sie ist ein Zeichen für Solidarität und den Respekt grundlegender Rechte, die niemandem weggenommen werden dürfen. Jede Person hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit. Keine Person darf diskriminiert werden, egal welche Kultur, welche Herkunft, welches Geschlecht, usw. sie hat.

Wir alle wissen, dass die Menschen und ihre Rechte an viel zu vielen Orten auf der Welt mit Füssen getreten werden. Menschenrechte gelten immer öfters als etwas Lästiges und Unnötiges. Auch in der Schweiz.

In der Türkei wird seit Jahren gegen Oppositionelle, Alevitinnen und Kurdinnen gehetzt. Menschen werden grundlos eingesperrt, gefoltert und getötet. Die Regierung Erdogans führt einen Krieg gegen die eigene Bevölkerung und die Welt schaut tatenlos zu. Wie sie es bereits beim Völkermord von Dersim tat.

Auf den Philippinen werden Drogenabhängige von der Polizei und Mordkommandos auf offener Strasse erschossen. In den drei Jahren seitdem Präsident Duterte an der Macht ist, wurden mehr als 20’000 Menschen ermordet.

Seit Anfang dieses Jahres wird Brasilien von einem Mann regiert, der offen die Militärdiktatur verehrt und gegen Minderheiten hetzt. Seinem Krieg gegen Arme, Schwarze, Indigene, Homo- und Bisexuelle und Transgeschlechtlichen sind bereits mehrere hundert Menschen zum Opfer gefallen.

Auch in Europa hetzten immer mehr Regierungen gegen Sinti und Roma, Muslime, Homosexuelle, Migrantinnen, Frauen, Menschenrechtsaktivistinnen und andere Menschen, die aus Sicht der rechtsextremen Regierungen minderwertig sind.

Europa und die Schweiz unterstützen bei ihrem Kampf gegen die Migration skrupelloser Herrscher, die Menschen in Lager stecken, versklaven, vergewaltigen, foltern und töten. Mit der Verweigerung sicherer Fluchtwege und der aktiven Verhinderung der Seenotrettung ist die europäische Gemeinschaft verantwortlich für den grausamen Massenmord durch Ertrinken im Mittelmeer.

Liebe Freundinnen und Freunde, es ist von grosser Bedeutung, heute und jeden Tag für das Recht auf Leben und die Menschenrechte einzustehen. Wir dürfen diese Welt nicht mörderischen Herrschenden und der neoliberalen Gleichgültigkeit überlassen! Die Gedanken an Dersim zeigen uns, was passiert, wenn der Rassismus und der Faschismus gewinnen.

Liebe Freundinnen und Freunde, lasst uns gemeinsam in die Welt rufen: Jeder Mensch ist gleichwertig! Jedes Leben ist wertvoll!

Lasst uns gemeinsam jeden Tag für eine gerechte Welt kämpfen: Für die Menschenrechte! Für die Solidarität! Für das Leben!

Massnahmen gegen die Hitze-Stadt

Die neusten Klimaszenarien der Schweiz CH2018 zeigen in aller Deutlichkeit, dass wirksame Klimaschutzmassnahmen dringend umgesetzt werden müssen. Nur mit einer massiven Senkung der Treibhausgasemissionen kann eine unberechenbare Störung des Klimasystems abgewendet werden. Trotz rascher Umsetzung ambitionierter Massnahmen lässt sich die Klimaerhitzung nicht mehr vollständig verhindern. In den nächsten 40 Jahren wird die Durchschnittstemperatur in der Schweiz um weitere 0.5 bis 2.5°C steigen. In stark überbauten Gebieten wie Basel-Stadt werden die Temperaturen insbesondere nachts noch einige Grad Celsius höher sein (Wärmeinsel-Effekt).

Neben dem Klimaschutz ist daher auch die Klimaanpassung (Adaption) dringlich. Wir brauchen mehr Grünflächen und Bäume in der Stadt, die helfen das lokale Klima zu kühlen. Geteerte Böden müssen soweit möglich aufgebrochen werden, damit sie Wasser aufnehmen können und weniger Hitze speichern. Gebäude sollten mit Fassadenbegrünungen statt mit Klimaanlagen bekühlt werden. Es braucht auch Sozialprogramme, damit kranke und alte Menschen nicht in ihren zu heissen Wohnungen allein gelassen werden.

Wir brauchen einen klaren Plan mit messbaren Zielen und ambitionierten Fristen. Die Klimaanpassung muss zusammen mit dem Klimaschutz Priorität haben. Es darf nicht sein, dass weiterhin Bauprojekte bewilligt werden, die die Luftzirkulation und Luftqualität verschlechtern, der Boden zusätzlich versiegeln oder grossräumige Baumfällungen bringen.

Ich fordere den Regierungsrat deshalb auf, innerhalb von einem Jahr einen konkreten und verbindlichen Massnahmenplan mit kurz- und mittelfristigen Anpassungsmassnahmen sowie einem Notfallkonzept für Extremereignisse inkl. Hitze und Dürre vorzulegen.

Lärmblitzer gegen Motorengeheul

Lärmblitzer (Fotomontage, Bildquellen: Flickr Creative Commons)

Lärm schadet der Gesundheit. Ein höheres Risiko für Herzinfarkt, Hirnblutungen, Bluthochdruck und Schlafstörungen sind die Folgen von zu viel Lärm. Neben dem konstanten Lärmpegel des Strassenverkehrs, welcher in Basel an vielen Orten die Grenzwerte überschneidet, ist der punktuelle Motorenlärm, welcher die Dezibel Grenzwerte bei Weitem überschreitet, ein grosses Problem.

Mit dem Aufheulen lassen von Motoren, übermässig hochtourigem Fahren oder extra dröhnenden Auspuffen wird die Bevölkerung aus dem Schlaf gerissen. Dieses Verhalten ist verboten. Art. 42 Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes (SVG; SR 741.01) verpflichtet die Fahrzeuglenkenden jede vermeidbare Belästigung u.A. durch Lärm zu unterlassen. Art. 33 der Verkehrsregelverodnung (VRV; SR 741.11) stellt dementsprechend die Regel auf, dass Fahrzeuglenkende, Mitfahrende und Hilfspersonen namentlich in Wohn- und Erholungsgebieten und nachts, keinen vermeidbaren Lärm erzeugen dürfen.

Die Kontrolle ist aber schwierig und der Vollzug des Lärmschutzes kaum möglich. Als Lösung wird im Kanton Genf die Entwicklung eines Lautstärkeradars geprüft. Dieser misst nicht die Geschwindigkeit, sondern den Geräuschpegel eines Fahrzeugs. Gemäss Medienberichten ist eine solche Vorrichtung technisch machbar und nicht teurer als ein Geschwindigkeitsradar. Solche Lärmblitzer können den Vollzug des Schutzes gegen übermässigen und vermeidbaren Lärm verbessern und lassen sich kostengünstig und wirksam einsetzen.

Ich fordere den Regierungsrat deshalb auf, zu prüfen und zu berichten

  1. ob sich Basel-Stadt an der Entwicklung eines Lärmblitzers beteiligen und diesen auf dem Kantonsgebiet einsetzen kann,
  2. welche dB-Grenzen sinnvoll wären und
  3. ob es andere Möglichkeiten zum Schutz der Bevölkerung vor vermeidbaren übermässigen Motorenlärm gibt, falls der Lärmblitzer nicht umsetzbar wäre.

LGBTIQ: Anerkennung der Fluchtgründe sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität im Asylgesetz

Anfang Jahr ging die Meldung einer neuen Welle von Gewalt in Tschetschenien gegen Schwule und andere LGBTIQ (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgeschlechtliche, Intergeschlechtliche und queere Personen) um die Welt. Mindestens 40 Menschen wurden verhaftet. Mindestens zwei Personen wurden getötet. Auch in vielen anderen Länder drohen homosexuellen und bisexuellen Menschen sowie trans- und intergeschlechtlichen Personen Verfolgung durch Staat und/oder Zivilbevölkerung. Auf «homosexuelle Handlungen» oder eine «falsche» Geschlechtsidentität steht teilweise noch immer die Todesstrafe.

Trotzdem anerkennt das Schweizer Asylgesetz sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität nicht explizit als Fluchtgrund. Die Scham der LGBTIQ-Geflüchteten, über das Erlebte gegenüber den Behörden oder Dolmetschenden aus demselben Kulturkreis zu sprechen, die Isolierung in den Asylunterkünften oder schon nur die Nutzung der sanitären Einrichtungen für Transmenschen: Die Probleme sind vielfältig. Die Sensibilisierung für die Thematik fehlt den Behörden. Die explizite Anerkennung von frauenspezifischen Fluchtgründe im Asylgesetz hat zu einer Sensibilisierung geführt. Eine explizite Anerkennung der Fluchtgründe «sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität» würde eine entsprechende, dringend notwendige Verbesserung für LGBTIQ bringen.

Zürich und Bern setzen sich bereits dafür ein, dass sich die Situation für LGBTIQ-Geflüchtete verbessert. Basel soll diesem Vorbild folgen! Zusammen müssen sich die Städte für die Anerkennung der Fluchtgründe sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität einsetzen und die Situation der LGBTIQ-Geflüchteten vor Ort verbessern!

Ich habe deshalb die Basler Regierung gefragt, ob und wie sie aktiv werden will und warte nun gespannt auf die Antwort.

Gummigeschosse können töten. Es braucht gesetzliche Auflagen!

Gummigeschosse sind höchst gefährlich. Treffer im Augenbereich können zur Erblindung führen, Verletzungen am Hals sogar zum Tod. Nach zwei Schwerverletzten in Basel ist es höchste Zeit, den Einsatz strenger zu regeln. Gummigeschosse sollen nur noch eingesetzt werden dürfen, wenn keine risikoärmeren Einsatzmittel zur Abwehr der konkret vorliegenden Gefahr ausreichen.

Wiederholt schwerste Augenverletzungen
Das Risiko schwerer Körperverletzungen bis zum Verlust des Augenlichts und Todesfällen – durch Treffer im Halsbereich – lässt sich beim Einsatz von Gummigeschossen auch mit intensiver Schulung der Polizeimitarbeitenden und grosser Vorsicht nicht ausschliessen. Bereits 2016 verlor beim FCB-Spiel vom 10. April ein Unbeteiligter das Augenlicht. Beim aktuellsten Beispiel vom 24. November 2018 erlitten mindestens drei Menschen Augen- und Kopfverletzungen durch Gummigeschosse. Bei mindestens einer Person ist bis heute unbekannt, ob sie das Augenlicht verloren hat oder ob es nach dem direkten Treffer ins Auge gerettet werden konnte.

Tote und Schwerverletzte werden in Kauf genommen
Aufgrund der Streuung der Gummigeschosse nach der Schussabgabe besteht gemäss einer Stellungnahme der Vereinigung unabhängiger ÄrztInnen von 2002 eine statistische Wahrscheinlichkeit von 35 %, bei einer Schussdistanz von 20 m das Gesicht, den Hals oder den Nacken zu treffen. Hinzu kommt die Gefahr von Abprallern und auch menschliches Versagen kann trotz Übung nie ausgeschlossen werden.

«Wer Gummigeschosse einsetzen will, nimmt bewusst in Kauf, dass es zu Toten und Schwerverletzten kommt», warnte 2012 auch Frank Richter von der Gewerkschaft der Polizei in Nordrhein-Westfalen.

«Beim nächsten ausgeschossenen Auge oder gar Todesfall soll kein Politiker, keine Politikerin welcher Couleur auch immer sagen können, sie hätten dies nicht gewusst,» hielt die Vereinigung unmissverständlich fest.

Gesetzliche Regelung und zurückhaltender Einsatz
Meine Mitunterzeichnenden von BastA!, Grünen und SP und ich wollen solch schwere Verletzungen verhindern und fordern in einer Motion, dass Gummigeschosse nur dann eingesetzt werden dürfen, wenn keine risikoärmeren Einsatzmittel zum Abwehren der konkret vorliegenden Gefahr ausreichen. Zudem sind die Androhung des Einsatzes, die Distanz und Zielrichtung bei der Schussabgabe sowie weitere Vorsichtsmassnahmen zu regeln, um schwere Verletzungen soweit irgendwie möglich zu vermeiden und Unbeteiligte sowie Personen, die der polizeilichen Anordnungen nachkommen wollen, zu schützen.

Teuerungsausgleich jetzt!

Redebeitrag im Grossen Rat zum Budget 2019 und zum Teuerungsausgleich fürs Kantonspersonal

Herr Präsident, Herr Stadthalter, liebe Kolleginnen und Kollegen

2017 lag die offiziell berechnete Teuerung bei 1,1%. Diese Teuerung würde bei den Löhnen aber nicht ausgeglichen, wie bereits 2005 und 2006. Auch dieses Jahr beträgt die November-Teuerung wieder 1,1% und es ist gibt keine überzeugenden Gründe, auf diese gesetzlich verankerte Anpassung der Löhne an diese Teuerung zu verweigern.

Seit 2010 gab es in unserem Kanton keinen Teuerungsausgleich. Im gleichen Zeitraum wurden wegen den sogenannten Entlastungsmassnahmen aber die Lohnabzüge erhöht (Prämie NBU) und damit die Nettolöhne den Kantonsangestellten gesenkt. Es wurde argumentiert, wenn es dem Kanton schlecht gehe, müssten alle, also auch die Kantonsangestellten etwas zum Sparpaket beitragen. Umgekehrt müsste man dann aber auch sagen, wenn es dem Kanton gut geht, sollen auch alle, also auch die Kantonsangestellten etwas davon haben. Das hat man in den letzten Jahren aber grosszügig ignoriert. Das ist besonders absurd, wenn der Kanton Überschüsse im 3-stelligen Millionenbereich macht.

Es wurde bereits gesagt, dass eine Negativteuerung nicht heisst, dass das Leben nicht teurer wird. Ich möchte dazu noch ein paar konkrete Zahlen nennen. Seit 2010 stiegen die Krankenkassenprämien um 22%. Die Krankenkassenprämien werden bei der offiziellen Berechnung der Teuerung aber nicht einbezogen, was ein grundsätzlicher Fehler dieses Indikators ist.

Die Mieten wurden im Durchschnitt um 10% teurer und sogar das U-Abo kostet heute 20% mehr als 2010. Insbesondere bei den tieferen Einkommen machen die Krankenkassenprämien und die Wohnkosten einen sehr grossen Teil der Haushaltskosten aus. Personen mit tiefen Einkommen geben im Durchschnitt einen Drittel davon fürs Wohnen aus. Menschen mit hohen Einkommen nur einen Zehntel. Auch die Krankenkasse macht bei tiefen Einkommen einen 4 mal höheren Anteil am Budget aus als bei Gutverdienenden.

Personen in den tieferen Lohnklassen waren in den letzten 9 Jahren stetig steigenden Kosten ausgesetzt, ohne dass die Löhne auch nur einmal angepasst wurden.

Sie sind jetzt besonders angewiesen, nun wenigstens die Teuerung von diesem Jahr ausgeglichen zu bekommen und damit wenigstens einen teilweisen Ausgleich zu den stetig steigenden Kosten zu bekommen.

Es macht mich wütend, mit welcher Gleichgültigkeit bürgerliche Grossrät*innen den Herausforderungen und Sorgen dieser Menschen begegnen und sich lieber hinter einer fragwürdigen formalistischen Argumentation verstecken, anstatt über den eigenen Schatten zu springen. Dabei ist sehr fraglich, ob ihre Interpretation des Lohngesetzes überhaupt stimmt.

Nachdem 250 Millionen schweren Überschuss im letzten Jahr und einem budgetierten Gewinn von 120 Millionen fürs nächste Jahr, kann niemand ernsthaft behaupten, es würden keine 14 Millionen zur Verfügung stehen, um die steigenden Lebenskosten der Kantonsangestellten auszugleichen.

Sogar Baselland zahlt den Angestellten im nächsten Jahr einen Teuerungsausgleich! Das hat der Landrat einstimmig beschlossen! Auch der Aargau zahlt einen Ausgleich.

Unsere Angestellten setzen sich tagtäglich für unseren Kanton ein. Denkt zum Beispiel an die früh-morgentlichen Einsätze der Strassenreinigung, ohne die das Rheinufer im Sommer zu einer Müllhalte verkommen würde. Oder an das grosse Engagement der Lehrerinnen und Lehrer für ihre Klassen. Oder an die Stadtgärtnerei und das Sportamt, die für eine hohe Qualität unserer Grünflächen und Sportanlagen arbeitet. Und so weiter und so fort.

Wenn ihr Bürgerlichen verärgert seid, dass die Regierung das Budgetpostulat Wüst-Rudin nicht umsetzen wollt, dass stellt bitte einen Antrag auf Kürzung der Löhne der Regierung. Und lasst den Ärger nicht an den Angestellten aus!

Unsere Angestellten alle haben faire Arbeitsbedingungen und den Teuerungsausgleich verdient!