Zum Gedenken an den Völkermord in Dersim

Rede an der Kundgebung zum Gedenktag für den Dersim-Völkermord

Liebe Freundinnen und Freunde

Wir gedenken heute den Opfern des Völkermords in Dersim und ihren Angehörigen. 1937/38 wurden ganze Dörfer wurden zerstört. Die kurdischen Sprachen und die alevitische Kultur wurden verboten und versucht auszulöschen. Über 70’000 Alevitinnen und Aleviten wurden grausam ermordet. Zehntausende deportiert und vertrieben.

Unser Gedenken an Dersim ist auch eine Aufforderung: So etwas darf sich nie mehr wiederholen!

Die heutige Gedenkkundgebung ist deshalb auch eine Kundgebung gegen Rassismus und die Diskriminierung von Minderheiten. Sie ist ein Zeichen für Solidarität und den Respekt grundlegender Rechte, die niemandem weggenommen werden dürfen. Jede Person hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit. Keine Person darf diskriminiert werden, egal welche Kultur, welche Herkunft, welches Geschlecht, usw. sie hat.

Wir alle wissen, dass die Menschen und ihre Rechte an viel zu vielen Orten auf der Welt mit Füssen getreten werden. Menschenrechte gelten immer öfters als etwas Lästiges und Unnötiges. Auch in der Schweiz.

In der Türkei wird seit Jahren gegen Oppositionelle, Alevitinnen und Kurdinnen gehetzt. Menschen werden grundlos eingesperrt, gefoltert und getötet. Die Regierung Erdogans führt einen Krieg gegen die eigene Bevölkerung und die Welt schaut tatenlos zu. Wie sie es bereits beim Völkermord von Dersim tat.

Auf den Philippinen werden Drogenabhängige von der Polizei und Mordkommandos auf offener Strasse erschossen. In den drei Jahren seitdem Präsident Duterte an der Macht ist, wurden mehr als 20’000 Menschen ermordet.

Seit Anfang dieses Jahres wird Brasilien von einem Mann regiert, der offen die Militärdiktatur verehrt und gegen Minderheiten hetzt. Seinem Krieg gegen Arme, Schwarze, Indigene, Homo- und Bisexuelle und Transgeschlechtlichen sind bereits mehrere hundert Menschen zum Opfer gefallen.

Auch in Europa hetzten immer mehr Regierungen gegen Sinti und Roma, Muslime, Homosexuelle, Migrantinnen, Frauen, Menschenrechtsaktivistinnen und andere Menschen, die aus Sicht der rechtsextremen Regierungen minderwertig sind.

Europa und die Schweiz unterstützen bei ihrem Kampf gegen die Migration skrupelloser Herrscher, die Menschen in Lager stecken, versklaven, vergewaltigen, foltern und töten. Mit der Verweigerung sicherer Fluchtwege und der aktiven Verhinderung der Seenotrettung ist die europäische Gemeinschaft verantwortlich für den grausamen Massenmord durch Ertrinken im Mittelmeer.

Liebe Freundinnen und Freunde, es ist von grosser Bedeutung, heute und jeden Tag für das Recht auf Leben und die Menschenrechte einzustehen. Wir dürfen diese Welt nicht mörderischen Herrschenden und der neoliberalen Gleichgültigkeit überlassen! Die Gedanken an Dersim zeigen uns, was passiert, wenn der Rassismus und der Faschismus gewinnen.

Liebe Freundinnen und Freunde, lasst uns gemeinsam in die Welt rufen: Jeder Mensch ist gleichwertig! Jedes Leben ist wertvoll!

Lasst uns gemeinsam jeden Tag für eine gerechte Welt kämpfen: Für die Menschenrechte! Für die Solidarität! Für das Leben!